Antrag der Wählergruppe NEU für die Niersteiner Stadtratssitzung am 12.09.2018

Wir stellen hiermit den Antrag auf folgenden Tagesordnungspunkt:

Neuausrichtung des Niersteiner Kultursommers

Der tragische Tod unseres Kulturbeauftragten Hans-Uwe Stapf hat uns alle getroffen. Seine freundliche, menschliche Art und Kompetenz sind nicht zu ersetzen.

Das Kulturprogramm für das kommende Jahr muss jedoch erstellt werden und sollte auch in seinem Sinne fortgesetzt werden.

Der Tenor der Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss am 29.08. anlässlich der Ertragszahlen für die Sommernacht und die Kulturwoche hat gezeigt, dass für Viele „Weniger mehr ist“. Dies nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Veranstaltungsflut im Umland. NEU meint, diesen Weg zu etwas „weniger“ sollten wir nun verfolgen – auch um die Verwaltung zu entlasten, da die entstandene Lücke vorerst nicht geschlossen werden kann.

NEU stellt daher den Antrag, in diesem Sinne das Kulturkonzept im Fachausschuss Kultur zu diskutieren und zu überdenken. Da wir es hilfreicher finden, nicht nur Forderungen aufzustellen, sondern auch konkrete Vorschläge zu liefern, bringen wir folgende Anregungen in diese Diskussion ein:

  • Wie schon in früheren Jahren schlagen wir vor, wieder vermehrt kleinere Events aus den Bereichen Rock-Pop-Klassik-Crossover in Winzerhöfen und ähnlichen Lokalitäten in Zusammenarbeit mit den genannten Hausherren anzustreben.
    Die Gemeinde ist (in Absprache) für das Engagement der Kulturschaffenden verantwortlich, leistet Werbung, Vorverkaufsorganisation und trägt das Einnahmenrisiko.
    Die Winzer stellen den Ort, bewirten und sorgen mit Werbung bei ihrer Stammkundschaft für den Grundstock der Zuschauer. In der Vergangenheit hat dies erfolgreich funktioniert, inzwischen sind neue Lokalitäten hinzugekommen. Beispielsweise hat Herr Stock angekündigt, seinen Gewölbekeller für Kulturevents öffnen zu wollen. Auch hier sind neue Kooperationen denkbar.
  • Lesungen: Wir haben mit unserer Bibliotheksleiterin Angelika Riske eine engagierte und ausgewiesene Fachkraft, die Lesungen wie schon in der Vergangenheit sicher gerne unterstützen wird.
    Krimi-Lesungen in Gewölbekellern bei Kerzenlicht mit regionalen Krimiautoren dürften an Spannung kaum zu überbieten sein. Eine Kooperation beispielsweise mit dem Leinpfad-Verlag aus Ingelheim und anderen könnten möglich sein.
    Mit Susanne Benz haben wir eine Kinderbuchautorin in Nierstein, die bereits mehrere wunderbare Kinderbücher verfasst hat. Gerade in Zeiten des Smartphones ist Lesekompetenz gefragter denn ja. Eine Zusammenarbeit mit der Grundschule und den Kindergärten bei verschiedenen Lesungen wären anstrebenswert.
  • Kino im Park: Wenn es angeboten wurde und das Wetter mitgespielt hat, war Kino im Park immer ein großer Erfolg. Hier müssen es nicht die teuren Mega-Blockbuster sein. Klassiker aus den Bereichen Science Fiktion, Western, Romantik, Komödie tun es auch und finden bei entsprechender Werbung ihr Publikum.
  • Platzkonzerte auf dem Marktplatz als „Umsonst & Draußen“-Event. Wir haben mit den Killianos ein wunderbares Orchester vor Ort. Auch die Rheinhessen Big Band ist in Nierstein sehr bekannt. Ebenso ließe sich das All Stars Ensemble des St. Katharinen Gymnasiums dort vorstellen. Unsere vielfältigen Chöre, vielleicht als Appetizer mit einem vorangehenden Flashmob, könnten hier auftreten.
  • Parklichterfest: In den letzten Jahren waren die Gigs in der Regel dieselben wie im Vorjahr. Das Grundkonzept mit Tanzgruppen der Vereine, Kinderbespaßung und Showband am Abend trägt sicher weiter. Hier ließen sich auch mal das Wonnegauer oder sogar das Augsburger Puppentheater und das Clownstheater Zopp & Co., die auch Feuershows anbieten, vorstellen.
  • Eine Kabarett-Veranstaltung pro Jahr im Herbst sollte möglich sein. Lokale Größen wie Thomas Mann und Lars Reichow ziehen Publikum und haben kaum Reise- und Unterbringungskosten. Für die Freunde der etwas derberen Comedy darf es auch mal Sven Hieronymus sein….
  • Salsa zieht! Das kann man sich in Mainz und Frankfurt ansehen. Warum nicht mal einen Salsa-Abend im Gemeindepark, z.B. tanzbare Musik mit der 15-köpfigen Band Salsa Verde aus Frankfurt.
  • Der Jugendpfleger der Kreisverwaltung macht regelmäßig Band Contests mit regionalen Jugendbands. Wie wäre es, mal die ersten Drei nach Nierstein in den Gemeindepark einzuladen und den jungen Menschen ein kostenfreies Konzert zu gönnen? Bei Tschau Jonny hat das doch auch geklappt.
  • Die Kulturwoche hat gezeigt, dass das Rheinufer ein interessanter Kulturort sein kann. Die Korrespondenz zwischen Schiff und Ufer ist gut angekommen. Nun hatte man Pech, weil sich „die Mannschaft“ so schnell aus dem Turnier verabschiedet hatte. Aber es muss auch nicht wieder eine ganze Woche sein. Auch hier erscheint ein „weniger ist mehr“ sinnvoll.
  • Mit dem Mega-Events im Park haben wir in den vergangenen Jahren nicht immer Glück gehabt (siehe auch DJ Ötzi und Theresa May). Das Risiko beim Wetter und beim Kartenverkauf lag zuletzt bei der Stadt.
    Aber auch wenn das Wetter mitspielt, wie bei der Sommernacht 2018 mit den Höhnern, kamen laut Eintrittskarteneinnahmen lediglich 480 Besucher (13.900 Euro Eintrittsgelder geteilt durch 29 Euro pro Eintrittskarte).
    Dafür fielen rund 53.000 Euro Kosten an. Obwohl es der Stadtspitze und insbesondere Thomas Günther gelang, die enorme Summe von 12.500 Euro an Sponsorengeldern einzufahren, bleibt am Ende ein Verlust von rund 19.000 Euro übrig. Pro Besucher hat die Stadt und damit der Steuerzahler knapp 40 Euro zugeschossen (19.000 Euro Verlust geteilt durch 480 Besucher). Die Sponsoren haben weitere 26 Euro pro Gast eingebracht (12.500 Euro Sponsoring geteilt durch 480 Besucher). Die Karte hat also 29 Euro gekostet und 66 Euro wurden drauf gelegt.Bei dem Rest der Kulturwoche sieht es ähnlich aus: Auch hier gelang es, die enorme Summe von 12.000 Euro an Sponsering zu erzielen. Insgesamt wurden 1.000 Euro Eintrittsgeld verbucht. Für das ansonsten gelungene Konzert von Tschau Jonny wurde kurzfristig ganz auf Eintritt verzichtet, weil der Vorverkauf, vermutlich wg. zu hoher Preise, nicht anzog. Insgesamt gesehen machte die Kulturwoche also einen Verlust inkl. Höhner von knapp 27.000 Euro bei wenigen Hundert Zuschauern.
    Nun waren wir als Wählergruppe NEU immer der Meinung, Kultur kann und soll auch Geld kosten.
    Bei Mega-Events und Motto-Wochen werden aber, wie auch die Beispiele oben zeigen, immer nur ein kleiner Teil von Kulturinteressierten angesprochen. Dabei ist es egal, welche Sparte man bedient, ob das nun Kölsch Rock, Schlager, Rock, Pop oder Klassik ist. Hierfür wurden aber enorme Mittel gebunden. Wir schlagen deshalb vor, die Sponsorengelder auf ein kleines, aber feines Programm, wie oben skizziert, zu verteilen. Damit wird das Wetterrisiko ebenfalls verteilt, es können durch breitere Streuung der Musikrichtungen unterschiedliche Kulturliebhaber angesprochen werden und insgesamt ein größeres Publikum angezogen werden.
    Wir sind uns über Parteigrenzen hinweg sicher darin einig, die Vielfältigkeit von Kultur abzubilden zu wollen und möglichst vielen Besuchergruppen gerecht zu werden.
    Das heißt nicht, dass die Sommernacht abzuschaffen wäre, aber eben nicht mehr mit den teuren, überregionalen Gigs, bei denen Wetter- und Publikumsrisiko trotz hoher Kosten allein von der Stadt zu tragen sind und alle Ressourcen auf eine oder sehr, sehr wenige Veranstaltungen konzentriert werden.
  • Aufmerksamen LeserInnen bzw. HörerInnen wird aufgefallen sein, dass diese Vorschläge häufig mit Kooperationen verknüpft sind. NEU hält sehr viel von Zusammenarbeit – man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Mehr „Hirnschmalz“ führt auch zu besseren Ergebnissen und wir haben vielfach im Ort interessierte und kompetente Personen und Gruppierungen, die genutzt sein wollen. Darüber hinaus wird damit zusätzliche Unterstützung (und Zustimmung) generiert, die die Verwaltung entlastet.

Wir hoffen, mit diesem Antrag die Stimmung in allen Parteien getroffen zu haben und bitten um Zustimmung.

 

Weitere Erläuterungen erfolgen mündlich in der Sitzung!

 

Nierstein, am 31.08.2018

Thomas Gehring

Fraktionssprecher der Wählergruppe NEU e.V.

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt!