Nierstein, am 11.05.2016
 
Auch zwei Monate nach diesjährigen Berichten des SWR und der AZ zur illegalen Bauschuttlagerung mit Arsen- und Quecksilberrückständen auf dem Gelände des Rhein-Selz-Parkes sind viele Niersteiner BürgerInnen aufgrund widersprüchlicher oder fehlender Infos beunruhigt: Die Kreisverwaltung hatte nach Bekanntwerden zwei Bodengutachten in Auftrag gegeben, einen Arbeitsstopp verhängt und die Halden mit Planen abdecken lassen, um Umweltschäden zu vermeiden (die AZ berichtete).

Laut SWR wurden Arsen- und Quecksilbermengen gemessen, die mehrfach über dem erlaubten Grenzwert lagen. Dies hat die Kreisverwaltung Mainz-Bingen auch dem SWR gegenüber bestätigt. „Nun kommen immer wieder BürgerInnen auf uns zu, die sich über ausgeschwämmte Schwermetalle sorgen machen, weil diese in angrenzende Landwirtschaft und ins Grundwasser sickern könnten. Die Bürger wollen mehr und umfassende Informationen“, berichtet Thomas Gehring, Fraktionssprecher der Wählergruppe. Die Wählergruppe fordert daher den Landkreis auf, alle Fakten auf den Tisch zu legen, die geschätzten Materialmengen und deren Herkunftsorte und Belastungswerte zu benennen.

„Es müssen aber auch die Widersprüche aufgelöst werden. Während die Kreisverwaltung nur von einem Ursprungsort spricht, hat uns die Niersteiner Verwaltung auf Nachfrage mitgeteilt, dass außer von dem bereits genannten Weinberg bei Bornheim auch Material aus Frankfurt angeliefert wurde. Zudem sei dies bereits vor gut einem halben Jahr aufgefallen“, berichtet Felix Eitel, NEU-Stadtrat. Die Wählergruppe fragt sich, ob die Halden erst als Reaktion auf den SWR-Bericht von Anfang April abgedeckt wurden und warum diese auch nach über sechs Monaten noch vor Ort liegen. Bei einem Rundgang entlang des Zauns der ehemaligen Kaserne sind ein halbes Dutzend abgedeckter Hügel zu erkennen, die teilweise vom Wind wieder aufgedeckt wurden. Die Gesamtmenge des Schuttes schätzt die Wählergruppe auf mehrere Hundert Tonnen bzw. mehrere dutzend Lastwagenladungen. Gehring hierzu: „.Am 12. April hat der Geländeeigentümer Wolfram Richter der AZ gegenüber zugesichert, dass das Material „noch in dieser Woche ordnungsgemäß entsorgt werden“ soll. Bis heute scheint aber nichts geschehen zu sein. Weiterhin kann Regenwasser quecksilberbelastetes Material über das direkt angrenzende Rückhaltebecken ins Erdreich führen. Wir fordern Herrn Richter auf, die Ängste der BürgerInnen ernst zu nehmen und seinen Worten endlich Taten folgen zu lassen! Das Material muss unverzüglich entsorgt und Verklappungen auf dem Gelände unmöglich gemacht werden.“

Ein weiterer Umstand macht der Wählergruppe zu schaffen: Warum setzt der Investor auch heute noch – neun Monate nach dem ersten SRW-Bericht – die Zusammenarbeit mit dieser von ihm beauftragten Abbruchfirma fort, die nach bisherigem Informationsstand mehrfach Material von außerhalb auf das Gelände gelassen und unter Umständen weiter verarbeitet hat. Die Behörden hätten ja nicht ohne Grund einen Arbeitsstopp verhängt.

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